Tradition seit 1882

Zeitschriftenwerbung von 1935 für die Wegmann & Co. Waggonfabrik

Gründungsjahr 1882

Unsere Geschichte beginnt im Jahr 1882, als Kommerzienrat Peter Wegmann zusammen mit Richard Harkort die Casseler Waggonfabriken von Wegmann, Harkort & Co. gründet. Bereits im Januar 1883 kann die junge Firma mit 210 Arbeitern die Produktion aufnehmen. Zunächst verlassen 24 eiserne Kohlenwagen im Mai die Werkstore. Es folgen offene und gedeckte Güter- und Kesselwagen sowie die ersten Personenwagen. Das 1.000. Schienenfahrzeug, ein vierachsiger Salonwagen, wird 1885 nach Spanien geliefert. 

1886 wird das Unternehmen in Wegmann & Co. umbenannt. In diesem Jahr fertigen bereits 520 Arbeiter 677 Waggons. 15 Jahre später soll diese Zahl auf 1.500 Stück ansteigen.

Vier Arbeiter in der Schmiede von Wegmann

"Alles aus einer Hand"

So lautet das Motto der Produktion. Nicht nur Schmiede, Schlosser, Dreher, Bohrer und Nieter, auch Schreiner, Lackierer und sogar Sattler zählen zur 1.000-köpfigen Belegschaft im Jubiläumsjahr 1907. Gemeinsam mit der Waggonfabrik  Gebrüder Credé & Co. hält Wegmann & Co. nach 25 Jahren nun einen Marktanteil von 10% an der gesamten deutschen Produktion von Eisenbahnwagen. 

Postkarte mit Bescheinigung der Prokura

Übernahme 1912

Als Firmengründer Peter Wegmann 1912 überraschend verstirbt und die Gesellschafter einen Nachfolger suchen, wird dem 37-jährigen August Bode als Geschäftsführer die Leitung des gesamten technischen Bereichs übertragen. Dieser war am 1. Mai 1889 als hoch motivierter Lehrling in die Waggonfabrik eingetreten. Für den kaufmännischen Part zeichnet Kaufmann Conrad Köhler verantwortlich.

Mitarbeiter von Wegmann stehen an der Essensausgabe an.

Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit

Bode und Köhler steuern das Unternehmen durch die Kriegs- und Hungerzeit der Nachkriegsjahre. Die 1920er Jahre sind gekennzeichnet durch ein hohes Zinsniveau, welches Investitionen erschwert. Nicht selten muss die Zahlung an die Mitarbeiter in Naturalien erfolgen gemäß dem Grundsatz: "Zucker- statt Lohntüte".

Schwarz-weiß Bild des Stammwerkes von Wegmann im Jahr 1935

Weltwirtschaftskrise und zweiter Weltkrieg

August Bodes Söhne wachsen in schwierige Zeiten hinein: Die Weltwirtschaftskrise löst rasch die goldenen Zwanziger ab. Mit sinkender Nachfrage verringert sich die Industrieproduktion in Deutschland bis 1932 um fast die Hälfte. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme und Kriegsbeginn wird der unternehmerische Entscheidungsspielraum eingeschränkt. Nach zahlreichen Bombenangriffen liegt das Werk 1945 in Trümmern. 

Wiederaufbau und Nachfolge

Mit 70 Jahren steht August Bode vor der wohl größten Herausforderung seines Berufslebens: Zusammen mit seinen beiden Söhnen baut er die zerstörten Anlagen wieder auf. Als Seniorchef gibt er dem Unternehmen wichtige Impulse und führt es in die florierenden 50er Jahre. 

Auto verlässt Autotransportwagen über Rampe.

Wirtschaftswunderjahre 

Mitte der 1950er werden Urlaubsreisen zum erschwinglichen Freizeitvergnügen. Wer es sich jetzt leisten kann, spart auf einen eigenen Pkw - für die Eisenbahnindustrie eine ernstzunehmende Konkurrenz. Bei Wegmann & Co. sieht man diese Veränderung als Chance: Der "Reisezug-Doppelstock-Gepäck- und Autotransportwagen" ist geboren und mit ihm die Idee, das Auto als Reisegepäck für gehobene Ansprüche auf den Markt zu bringen. Im Oberdeck ist Platz für 5, im Unterdeck für 2 Pkw, ein weiterer kann auf der Hubbühne verbleiben. Als August Bode 1960 stirbt, übernehmen die Söhne Dr. Engelhard und Fritz Bode gemeinsam die Führung des Unternehmens und formen es zur High-Tech Schmiede.

Fahrgäste erhalten Informationen über den Zuglauf.

Aufspaltung und junge Geschichte 

Acht Jahre später erfolgt die Aufspaltung des Unternehmens in zwei unabhängige Gesellschaften – die Wegmann & Co. und die Gebrüder Bode & Co. 1979 wird Wegmann & Co. an die Söhne von Fritz Bode, Manfred und Wolfgang Bode, weitergegeben.

Wandlungsfähigkeit und Fortschritt

1882 als Waggonbau-Unternehmen gegründet, ist die WEGMANN Group heute eine Unternehmensgruppe, die mit drei Geschäftseinheiten jeweils als Markt- und Technologieführer globale Maßstäbe setzt: Als Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG in einem deutsch-französischen Joint Venture der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, als Schleifring GmbH in der Medizin-, Radar-, Windkraft und im Maschinenbau als Systemlieferant für die berührungslose Daten- und Stromübertragung und als WEGMANN automotive GmbH mit der Präzisionsfertigung von Auswuchtgewichten, Ventilen und weiteren Produkten für den Automotive Aftermarket.

MITROPA Speisewagen 1920er Jahre

Vor einem Speisewagen von Wegmann stehen neun Mitarbeiter.

Zwischen 1927 und 1929 erhöht die MITROPA (Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft) ihren Bestand an Speisewagen aufgrund der gestiegenen Nachfrage. Wegmann & Co. produziert das vierte und letzte Los der Baureihe WR-4ü. Die Speisewagen sollen in den Fernschnellzügen der 1. und 2. Klasse eingesetzt werden. 

Doppelstockwagen 1950

Zwei Junge Frauen schauen vom Oberdeck aus dem Zugfenster.

Im Oberdeck genießt man beste Aussicht: Der Doppelstockwagen der 2.Klasse setzt neue Maßstäbe. Ein Jahr später folgen drei weitere Ausführungen mit der Länge von 26,4m - der längste bis dahin in Serie gebaute Reisezugwagen. 

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